History | ELFEN #1

30 Jahre Frauen-Bundesliga

Die 30 besten Geschichten

ELFEN Magazin - ELFEN History - 30 Jahre Frauen-BundesligaIllustration: Eva von Tsurikov

30 Jahre Frauen-Bundesliga – die Liga ist schon so alt wie eine Gerneration, aber fast um die Hälfte jünger als die der Männer. Seit 1989 hat sie unzählige Geschichten geschrieben. Und jeden Monat, jede Woche, jeden Tag kommen neue hinzu. ELFEN hat die besten 30 Geschichten aus 30 Jahren Bundesliga herausgepickt. Darin geht es auch um Playboy, Pärchen und Panzerfaust …

1
Sie war die erste und wusste es nicht

Ob sich Iris Taaken und Timo Konietzka je begegnet sind, lässt sich nicht sagen. Vermutlich sind sie es nicht. Dabei haben beide ihren Platz im Geschichtsbuch sicher – mit einer kuriosen Gemeinsamkeit. Konietzka, damals in Diensten von Borussia Dortmund, schoss 1963 das erste Bundesligator. Als 27 jahre später die ersten 55 Sekunden am ersten Spieltag der Frauen- Bundesliga absolviert waren, köpfte Taaken für den SV Wilhelmshaven gegen den Berliner Klub 1. FC Neukölln ein. Kurios: Keinen der beiden Treffer von Taaken und Konietzka gibt es auf Video. Wilhelmshaven und Neukölln stiegen übrigens ab, ohne dass Taaken wusste, dass Sie die erste Torschützin überhaupt war. Das wurde ihr erst Jahre später von einem Freund erzählt.

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2
Fünfer-Kette im Playboy

Auf sich aufmerksam zu machen, da hat es der Frauenfußball schwer. Lira Bajramaj war die erste Spielerin, die aufgrund ihres Aussehens auch außerhalb des Platzes die Kameras ständig anzog. Den großen Knall aber gab es 2011 vor der Heim-WM, als sich gleich fünf deutsche Erst- und Zweitliga-Spielerinnen für den Playboy auszogen. Selina Wagner (VfL Wolfsburg), Kristina Gessat (FSV Gütersloh) sowie die drei Münchner Bayern-Mädels Annika Doppler, Ivana Rudelic und Julia Simic hatten sichtlich Spaß an den Aufnahmen. Klar aber auch, dass es Gegenwind gab. Wie vom Feministinnen-Magazin „Emma“. „Worüber debattieren die Playboy-Leser wohl beim nächsten Spiel (wenn sie es denn gucken)? Über eure Viererkette oder über euren Dreier im Geräteraum?“, fragte die Zeitschrift.

3
Drei Zwillings-Pärchen im Erzgebirge

Sie spielten nur einen Sommer, beziehungsweise eine Saison in der Frauenfußball-Bundesliga. Gleich im ersten Jahr nach der Wiedervereinigung 1991/92 war der FC Wismut Aue dabei. Und hatte den ungewöhnlichsten Kader der Liga. Gleich drei Zwillings- Pärchen sollten den Klassenerhalt sichern. Kersten und Elke Guderian, Dorit und Heike Scheibe sowie Kathrin und Heike Hecker konnten den Abstieg aber nicht verhindern. Es blieb das einzige Gastspiel des heutigen Regionalligisten FC Erzgebirge in der Elite-Klasse. Aber eines war gewiss: International machte in jenem Jahr Wismut mehr Schlagzeilen durch seine Zwillinge als Meister TSV Siegen mit seinem Titel.

4
Zwei Null-Runden

Wie steht man das durch? Gleich zwei Vereine brachten das Kunststück fertig, alle Saisonspiele zu verlieren und so mit NULL Punkten abzusteigen. Der 1. FC Neukölln aus Berlin machte mit 18 Niederlagen 1990/91 den Anfang, ist bis heute Letzter der Ewigen Tabelle. Denn nie wieder kehrte der Club in die Bundesliga zurück. Anders der FFC Brauweiler Pulheim 2000, der 2006/07 alle 22 Spiele vergeigte. Die Rheinländerinnen spielten davor und danach erfolgreich, waren sogar einmal Meister und dreimal Pokalsieger und sind heute, inzwischen als 1. FC Köln, zurück in der Bundesliga.

5
Schröders Eigentor

Plaudertasche Bernd Schröder: Als Manager von Turbine Potsdam verriet er in der Saison 1994/95 vor dem Spiel bei Eintracht Rheine dem gegnerischen Trainer Alfred Werner, dass er Coach Frank Lange feuern werde, wenn Potsdam verliert. Werner, ganz Profi, posaunte das noch vor Anpfiff in alle Richtungen hinaus. Spielerinnen, Journalisten, jeder wusste in Windeseile Bescheid. Turbine ging 0:3 unter und hatte danach keine wettbewerbsfähige Mannschaft mehr. Gleich fünf Spielerinnen mit Kapitänin Sybille Brüdgam an der Spitze zeigten sich mit Lange solidarisch und verkündeten noch im Stadion ihren sofortigen Vereins-Austritt.

6
40 Spiele ungeschlagen

Die Frauen des FC Bayern München nähern sich ihren männlichen Kollegen immer mehr an. Die Titel häufen sich und den einen oder anderen Rekord haben sie auch schon geknackt. Wie den für die längste Serie von Ligaspielen ohne Niederlage. Vom 22. Spieltag der Saison 2013/14 bis zum 17. Spieltag der Saison 2015/16 blieben die Bayernmädels 40 Spiele lang ungeschlagen. Oder anders: Fast zwei Saisons. Das gab es in 30 Jahren Frauen-Bundesliga auch noch nicht.

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7
Gertrud, die Erste

Wer an Schiedsrichterinnen im Fußball denkt, denkt zuerst an Bibiana Steinhaus. Sie war die erste Frau, die ein Bundesliga-Spiel bei den Männern pfiff. Sie war aber nicht die erste Frau in der Männer- Bundesliga auf dem Feld. Diese Ehre gebührt Gertrud Regus. Sie stand 1995 und 1996 als verheiratete Gebhard in zwei Spielen an der Linie. Sie war auch die erste Frau, die ein Frauen-Länderspiel pfiff (1991 Deutschland gegen Schweiz) und ein DFB-Pokalfinale leitete (1992 TSV Siegen gegen FSV Frankfurt). Nachdem sie sich mit DFB-Funktionären überwarf, hörte sie 1997 auf.

8
Die Rekordspielerin

Sie war eine der unscheinbarsten Spielerinnen, obwohl sie eine der besten der deutschen Fußball-Geschichte und mit 1,80 Meter überragend groß war. Und sie hält den Rekord für die meisten Bundesligaspiele. Kerstin Garefrekes lief für den FFC Heike Rheine und den 1. FFC Frankfurt so oft auf wie keine andere: 355 mal. Sie war zudem je zweimal Welt- und Europameisterin, zweimal Olympia-Dritte, dreifache Europacup-Siegerin, dreimalige Deutsche Meisterin und vierfache Pokalsiegerin. Heute arbeitet sie in der Finanzverwaltung von Frankfurt/Main.

9
Rheine, Vorname Heike

FC Jupp München gegen Ottmar Dortmund? Wenn die Männer in der Herren-Bundesliga so denken würden wie das Vereinspräsidium in Rheine, würden die beiden Marktführer vermutlich so heißen. Der FFC Heike Rheine hat den wohl ungewöhnlichsten Namen im deutschen Fußball überhaupt. Als sich die Frauenfußball-Abteilung am 10. März 1998 von Eintracht Rheine löste, integrierte der Klub den Vornamen von Trainerin Heike Kinder in den Vereinsnamen. „Fortunas und Viktorias gibt es genug“, sagte Präsident Alfred Werner damals. Auch FFC Kerstin Rheine war im Gespräch, aber zum Zeitpunkt der Gründung stand schon fest, dass Top-Star Kerstin Garefrekes den Verein verlässt.

10
Falsche Richtung

Die Luft in Saarbrücken muss anders sein als im Rest der Republik. Oder im Saarland wird anders trainiert. Wenn es um die Eigentore geht, kommt man nämlich am 1. FC Saarbrücken nicht vorbei. Mit vier Treffern ins eigene Netz hält FCS-Verteidigerin Melanie Klein den einsamen Rekord der Bundesliga. Aber das ist noch nicht alles. Auch in der Liste der Mannschaften mit den meisten Eigentoren liegt der 1. FC Saarbrücken ganz vorn. Achtmal gelang dieses Missgeschick. Wenigstens da ist der Verein nicht ganz allein, denn der FSV Frankfurt und der SC 07 Bad Neuenahr waren genauso „erfolgreich“.

11
Wenn der Präsident kassiert

Hoher Besuch hatte sich 2012 beim SC Bad Neuenahr angekündigt. Zum Spiel gegen Turbine Potsdam kamen der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Steffi Jones, seinerzeit DFB-Direktorin für Frauenfußball. Als die Ehrengäste SC-Präsident Bernd Stemmeler sprechen wollten, wurden sie vertröstet: „Der sitzt noch im Kassen-Häuschen“, bekamen sie zu hören. Stemmeler war kein herrschsüchtiger Präsident. Er war sich bis zu seinem Tod im Jahr 2013 für keine Aufgabe zu schade. Auch nicht an dem Tag, an dem hohe Gäste kamen. Wann die Helfer ausfallen und Personalnot herrscht, kann man sich eben nicht aussuchen.

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12
Brathähnchen als Karriere-Helfer

Bernd Schröder ist hungrig an diesem 3. März 1971. Also geht’s nach Dienstschluss beim VEB Energieversorgung Potsdam ins Klubhaus. „Ein Brathähnchen, bitte!“ Was die vielen Frauen dort zu suchen hatten, war dem einstigen Torhüter zunächst unklar. Irgendjemand schien zu glauben, auch Schröder sei wegen der Gründungsversammlung des Frauenfußball-Vereins da. Aber er wollte nur etwas essen. Doch mitgehangen, mitgefangen: Schröder wurde gefragt, ob er nicht Trainer werden wolle. Pflichtbewusst sagte er ja und stand 24 Stunden später mit 38 Frauen in der Turnhalle. Der Rest ist bekannt: Turbine Potsdam wurde unter Schröder sechsmal Deutscher Meister und er damit zum Rekord-Trainer der Bundesliga.

13
Wie spricht man Sasic

Kaum einer Hochzeit wurde so entgegengefiebert wie der von Celia Okoyino da Mbabi 2013. Der lange Nachname der Bonnerin, die für den SC 07 Bad Neuenahr und den 1. FFC Frankfurt spielte, passte kaum aufs Trikot, war ein Zungenbrecher und vor allem in Boulevard-Zeitungen, wo es auf die Kürze ankommt, war mit dem Namen schon der halbe Artikel voll. Aber dann! Der Auserwählte hieß Marko Sasic. Nun kamen die Radiound TV-Kommentatoren richtig ins Schwitzen. Kaum war der Zungenbrecher- Name weg, war die Frage: wie spricht man den neuen Nachnamen von Celia aus? Sasitsch? Schaschitsch? Schasitsch? Säsik, wie im Englischen? In Deutschland hat sich die erste Variante durchgesetzt. Das Kroatische ist übrigens der vierte Kulturteil in Celias Leben nach dem deutschen, kamerunischen und französischen.

14
1314 Minuten ohne Gegentor

Welche Leistung ist wohl höher einzuschätzen: 1314 Minuten ohne Gegentor zu bleiben oder acht Jahre für den Hamburger SV zu arbeiten? Katja Kraus blieb vom 1. September 1996 bis 20. April 1997 als Torfrau des FSV Frankfurt ungeschlagen. Länger als sie hielt bislang keine Torfrau der Bundesliga ihren Kasten sauber. Nachdem sie bei Eintracht Frankfurt Pressesprecherin war, stieg Kraus 2003 zum Vorstands-Mitglied Marketing und Kommunikation beim Hamburger SV auf, war zeitweise sogar Zweite Vorsitzende des Traditions-Vereins.

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15
Mann oder Frau

Äquatorial-Guinea ist nicht unbedingt für seine Vielzahl an Fußballstars bekannt. Den Namen des Landes in die Fußball- Welt getragen hat vor allem eine Frau: Genoveva Anonma. Die Stürmerin machte dabei freiwillig wie unfreiwillig Schlagzeilen. 2011/12 erzielte sie für Turbine Potsdam 22 Tore und wurde die erste ausländische Torschützenkönigin der Bundesliga. Da sie auch im Nationalteam traf wie sie wollte, unterstellten Verbandsvertreter einiger anderer afrikanischer Länder, sie und einige ihrer Team-Kolleginnen seien Männer. Die Geschlechterfrage zog sich über Jahre hin. „Ich kann mich gern vor jedem Spiel ausziehen und zeigen, dass ich eine Frau bin“, sagte Genoveva Anonma 2011 der „Zeit“.

16
Sturz vom Rad als Glücksfall

Entscheidungsfreudig scheint sie schon immer gewesen zu sein. In frühester Kindheit galt das Interesse von Kim Kulig nicht nur dem Ball. Die kleine Kim war als Achtjährige nämlich Baden-Württembergische Meisterin auf dem BMX-Rad. Ein Jahr später fabrizierte sie bei den Titelkämpfen in der letzten Kurve einen Fahrfehler und zwei Kontrahentinnen düsten an ihr vorbei. Sie wurde vierte und stellte das Rad in die Ecke. Leidenschaft Nummer Zwei war die Leichtathletik. Sie gewann meistens, konnte aber mit dem Neid der Besiegten nicht umgehen. Klarer Fall: Kulig ist eine Team-Sportlerin. Als Fussballerin wurde sie Europameisterin und Pokalsiegerin, spielte für den Hamburger SV und den 1. FFC Frankfurt, bis eine verheerende Verletzungs-Odyssee ihre Karriere beendete. Viel zu früh, leider.

17
Die wenigsten Zuschauer

Viel Platz brauchte der KBC Duisburg bei seinem Abschied aus der Bundesliga nicht, damals im Frühjahr 1994. Wo anderswo noch gemeinsam geweint und getrauert wird, schien der Abstieg an der Ruhrkaum jemanden zu interessieren. Gerade einmalfünf zahlende Zuschauer sahen das letzte Spiel des KBC in der Bundesliga. Bis heute Zuschauer-Minusrekord der Liga. Für einen einst so erfolgreichen Klub eine Schande. 1985 waren die Duisburgerinnen Deutscher Meister, zwei Jahre zuvor schon Pokalsieger. Und dann begleiten gerade mal fünf Zuschauer das Team, das schon vorm letzten Spieltag als Absteiger feststand, aus der Bundesliga? Der KBC kam nicht mehr auf die Beine und löste die Frauen- Mannschaft Ende der 1990-er Jahre auf.

18
Baller-Laune im Liebes-Wirrwarr

Den Frust von der Seele ballern, das beherrschte keine so gut wie Inka Grings. Gleich sechsmal wurde sie Torschützenkönigin, liegt mit 314 Toren an der Spitze der ewigen Bundesliga-Rangliste. In der Saison 1999/2000 netzte sie alleine 38 mal ein – ebenfalls Rekord. Vielleicht war alles motiviert durch privaten Kummer? Erst das Liebes-Aus mit Lebensgefährtin Martina Voss, später verließ sie Ex- Nationalspieler Holger Fach, um mit Mitspielerin Linda Bresonik zusammen zu sein. Doch was macht der? Dreht das Liebeskarussel noch schneller und spannt seiner Ex die Freundin aus. Ein Traum für die Boulevard-Presse. Heute folgen gleich mehrere Männer Grings Worten: Sie trainiert seit April 2019 den SV Straelen in der 4. Liga. Nie zuvor hat eine Frau im deutschen Fußball eine so hochklassige Männermannschaft trainiert. Den Abstieg in die Oberliga konnte sie aber nicht verhindern.

19
Gegen den Flop

ELFEN ist längst nicht das erste Magazin, das sich mit Frauenfußball beschäftigt. Der Vorreiter war natürlich auch hier der „Kicker“ aus Nürnberg. Der Verlag brachte zur ersten Bundesliga- Saison 1990/91 ein eigenes Frauen-Sonderheft raus. Doch das floppte mit gerade mal 5000 verkauften Exemplaren. Das Heft der Männer lag damals bei über einer Million. Bis heute gab es keinen neuen Versuch. Die Frauen sind in die „Mutter aller Bundesliga-Sonderhefte“ integriert. Mit zwei Seiten. Aber nun gibt es ja ELFEN.

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20
Tierisch engagiert

Männliche Fußballprofis mit abgeschlossener Berufsausbildung gibt es wohl kaum. Anders ist das bei den Frauen. Schon längst war Alexandra Popp eine gestandene Spielerin, als sie 2015 ihre Ausbildung zur staatlich geprüften Zootier- Pflegerin abschloss. Um ihre Zukunft muss sich die Goalgetterin vom VfL Wolfsburg also keine Sorgen machen. Dabei ist der Beruf für sie keine Arbeit, sondern Leidenschaft. Daher ist sie auch in der Freizeit bei den Tieren anzutreffen. „Ich gehe gern allein in den Zoo, um runterzukommen“, sagt sie. Mit erst 28 Jahren hat Popp schon über 100 Länderspiele absolviert. Die Tiere müssen also noch ein paar Jahre warten, denn noch ist ihr der Fußball wichtiger.

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21
Da ging sie ab, die Lucie

So schnell wie sie traf bisher keine! Lucie Vonkova brauchte am 7. Mai 2017 nur 9,9 Sekunden nach Anpfiff, um das 1:0 für den USV Jena beim 4:1-Sieg gegen die SGS Essen zu erzielen. Die Tschechin traf auch noch ein zweites Mal und bleib hinterher bescheiden: „Wichtig war nur, dass ich überhaupt für uns treffe.“ Inzwischen spielt die 27-Jährige bei Ajax Amsterdam und ist mit der ehemaligen niederländischen Nationalspielerin Claudia van den Heiligenberg verheiratet, die sie in Jena kennengelernt hatte.

22
FFC-Mitglied mit dem FSV

Stadt-Derbys haben immer einen besonderen Reiz. Manchmal sind die Siege gegen den Lokalrivalen sogar wichtiger als der Tabellenstand an sich. Siege werden besonders gefeiert, Niederlagen tun mehr weh als gegen jeden anderen Gegner. Man möchte gar nicht wissen, wie sich die Frauen des FSV Frankfurt am 17. April 2006 fühlten. 0:17 ging die Partie beim 1. FFC verloren. Es ist bis heute das Spiel mit den meisten Toren der Bundesliga. Die damalige Weltfußballerin Birgit Prinz traf viermal. Den FFC trieb die 2:6-Pleite gegen die Erz-Rivalinnen von Turbine Potsdam zwei Tagezuvor an. Nach der Partie bekannte sogar FFC-Manager Siggi Dietrich, der FSV täte ihm leid. Gleich die nächste Demütigung für den FSV.

23
Sieben auf einen Streich

Sie hat schon so früh angefangen zu treffen, dass es noch keine vollständigen Statistiken gab! Die wurden erst ab 1997 geführt. In den ersten fünf Jahren der Bundesliga gab es immer dieselbe Torschützen-Königin: Heidi Mohr. Das zumindest steht fest. Wie viele Treffer sie genau erzielte, ist aber unklar. 170 sind belegt. Bis heute hält Europas „Fußballerin des Jahrhunderts“ den Rekord für die meisten Tore in einer Partie: SIEBEN beim 12:2 ihres TuS Niederkirchen 1992/93 gegen den TSV Battenberg. Am 7. Februar 2019 starb Mohr, die in 104 Länderspielen 83 Tore erzielt hatte, im Alter von nur 51 Jahren an Krebs.

24
Retten der Zebra-Streifen

Umbenennungen von Vereinsnamen sind im Frauenfußball nicht selten. Manchmal gehen sie auch mit dem Ende eines Klubs und dem Beitritt zu einem bestehenden einher. Wie im Fall des FCR 2001 Duisburg. Der stand 2013 kurz vor der Pleite. Geld musste her. So nahm man sich am FC St. Pauli ein Beispiel, der kurz zuvor in finanzielle Turbulenzen geraten war und wo die Fans eine Rettungs-Aktion starteten. Mit dem MSV Duisburg als Helfer, der damals noch keine Frauen-Mannschaft hatte, wurden Retter-T-Shirts gedruckt und verkauft. Ein Jedermann-Turnier wurde organisiert: der Löwinnen-Retter- Cup. Viele Fan-Clubs anderer Vereine nahmen teil. Die eingenommenen 200.000 Euro reichten aber wieder nur kurz. Und so fusionierten die Löwinnen 2014 mit den Zebras zum MSV Duisburg.

25
Titel- und Torhamster

Es wäre der Coup schlechthin gewesen! Torjägerin Birgit Prinz schoss für den 1. FFC Frankfurt so konstant Tore, dass auch Männer-Teams auf sie aufmerksam wurden. 2003 flatterte der Stürmerin ein Angebot des AC Perugia auf den Tisch. Gerüchten zufolge sollte sie für eineinhalb Jahre in der Serie A eine Million Euro kassieren. Doch Birgit Prinz lehnte ab, verfasste sogar eine Presse-Erklärung: „Ich spiele einfach zu gerne Fußball, als dass ich Gefahr laufen möchte, in den nächsten Monaten in einer Männermannschaft nur noch wenige Minuten oder gar nicht eingesetzt zu werden“, sagte sie undblieb in Hessen. Am Endeihrer Karriere hatte Prinz neun Meistertitel auf dem Konto, so viele wie keine andere Spielerin.

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Der clevere Wessi

Der TuS Ahrbach machte 1991 in der Vorbereitung auf die erste gesamtdeutsche Saison ein Trainingslager in Kanada. Eingeladen wurden auch sechs Spielerinnen vom Bundesliga-Rivalen USV Jena, der allerdings in der Nord-Staffel spielte, während Ahrbach im Süden auf Punktejagd ging. Ein Probetraining für die Jena-Frauen in Übersee? Könnte man meinen. Verpflichtet wurde allerdings keine der Thüringerinnen. So richtig gelohnt hat sich das Ganze dann auch nur für Ahrbachs Trainer-Manager Detlev Tank. Der hatte den sechs Mädchen aus Jena je einen Gebrauchtwagen verkauft. Wie lange die Autos durchhielten, ist nicht überliefert. Hoffentlich länger als das damalige Bundesliga-Abenteuer für Jena: Das war nach Ende der Saison vorerst beendet.

27
Vorsicht mit der Panzerfaust

Der Wechsel in die USA stand schon fest. Von Turbine Potsdam wollte Conny Pohlers 2003 zu Atlanta Beat wechseln. Aber als ob das Schicksal sagen wollte: „Bleib lieber hier“, verletzte sich die Stürmerin im Februar am Knie – zwei Monate vor ihrem geplanten Weggang. Das Verrückte: Der Grund war eine Panzerfaust. Beim Geländemarsch im Rahmen ihres Unteroffiziers-Lehrgangs stürzte die Sportsoldatin über die (ungeladene) Waffe, zog sich eine Kniescheiben- Absplitterung zu. Nach zwei Wochen konnte sie aber wieder spielen und war nach einem Vierteljahr in Übersee wieder zurück im Karl-Liebknecht- Stadion. Die damalige Profi-Liga WUSA hatte sich zwischenzeitlich aufgelöst.

28
Die Exotin

Paradox? In der Frauen-Bundesliga warten Frauen auf den Durchbruch – als Trainerinnen. 1998/99 führte Übungsleiterin Monika Staab den 1. FFC Frankfurt zur Meisterschaft. Bis heute die einzige Frau, die als Coach in der Bundesliga den Titel holte. Das gelang ihr insgesamt viermal. Alle anderen Bundesliga-Meister wurden bis heute ausnahmslos von Männern trainiert. Dazu kommen bei der inzwischen 60-Jährigen, die auch Präsidentin des FFC war, fünf Pokalsiege und der UEFA-Cup. Später trainierte sie unter anderem in Katar und Bahrain. Vor der Bundesliga-Ära allerdings gewann Anne Trabant-Haarbach zwischen 1984 und 1989 drei Meisterschaften als Trainerin mit der SGS 09 Bergisch Gladbach. Monika Koch-Emsermann holte einen Titel mit dem FSV Frankfurt.

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Frankfurter Schuh-Streit

Tradition wurde auch in der Frauen-Bundesliga lange großgeschrieben. An langen Haaren gab es ja nichts auszusetzen, sind ja Frauen. Aber die Schuhe sollten doch bitte schwarz-weiß sein. Jennifer Meier war das egal. 1996 zum FSV Frankfurt gekommen, spielte sie wenig späterBundesliga. Besser gesagt: sie sollte. Zum Spiel kam sie in bunten Töppen, deren Farbe nicht überliefert ist. Die war Trainer Jürgen Strödter auch ziemlich egal. „In diesen Schuhen spielst du nicht“, fauchte er sie an. Heute ein Satz für die Mottenkiste. Meier schaffte es später sogar noch zur Nationalspielerin, blieb also ganz und gar nicht farblos.

30
Die jüngste Torschützenkönigin

Für Sandra Smisek war die Sache klar: „Ich will mit Jungs spielen.“ noch in der B-Jugend zeigte sie den angehenden Männern, was man mit dem ball so anstellen kann. Das sah auch Monika Staab, damals Trainerin der SG Praunheim. Als sie zu Familie Smisek nach Hause kam, um sie für den Frauenfussball anzuwerben, flüchtete Sandra aus der Wohnung und hörte für 18 Monate mit dem Fussball auf. Erst eine verlorene Wette mit dem Vater ihrer besten Freundin brachte sie zu einem Probetraining beim FSV Frankfurt. Worum es in der Wette ging, weiss sie nicht mehr. Sie weiss aber noch, dass sie zu dem Training musste und dort sofort Verpflichtet wurde. Mit erst 18 Jahren und 29 Treffern in der Saison 1996/97 ist sie die bis heute Jüngste Torschützen-Königin der Bundesliga.