Liga | ELFEN #1

Der Berg ruft

Die „Alpen-Fraktion“ in Frankfurt

ELFEN Magazin - ELFEN Liga - Der Berg ruftFoto: Jan Hübner

Mit Hilfe seiner Alpen-Fraktion soll es beim 1. FFC Frankfurt wieder steil aufwärts gehen.

Das mit dem Fliegen wie die Adler haben sie sich beim 1. FFC Frankfurt bekanntlich bereits fest vorgenommen. Wenn alles glatt läuft, tragen die Spielerinnen ab der kommenden Saison den Adler der Frankfurter Eintracht auf dem Trikot (siehe auch Seite 80). Bis dahin wollen sie beim Rekordmeister am Main weiter „Schritt für Schritt“ wieder nach oben klettern und setzen dabei auch auf sechs junge Frauen, die schon aufgrund ihrer Herkunft keine Angst vor großen Höhen haben: Mit vier Österreicherinnen und zwei Schweizerinnen kicken nämlich so viele Nationalspielerinnen aus den Alpen beim 1. FFC wie bei keinem anderen Bundesligisten. Grund genug für ELFEN, die Frankfurter „Seilschaft“ ins dortige Kletterzentrum zu bitten. Mal schauen, ob sie auch alle schwindelfrei sind…

„Kannst du nicht wie der Adler fliegen, klettere nur Schritt für Schritt bergan. Wer mit Mühe den Gipfel gewann, hat auch die Welt zu Füßen liegen.“

Victor Blüthgen
(Deutscher Richter , 1844 – 1920)

Wenn der Berg ruft, geht die mit 26 Jahren erfahrenste Spielerin der Alpen-Fraktion voran: Laura Feiersinger hat bereits mehr als 70 Länderspiele für Österreich in den Beinen und konnte 2015 und 2016 auf dem Münchener Rathausbalkon zwei Meistertitel mit dem FC Bayern feiern. Laura wuchs als Tochter des ehemaligen Bundesliga-Profis Wolfgang Feiersinger (57 Spiele für Borussia Dortmund) in der Ski-Region Saalfelden auf. Sie präsentiert sich beim Shooting schwindelfrei und kann sich gut mit den Zielen des Vereins identifizieren: „Der schwere Aufstieg an der Kletterwand ist ein guter Vergleich mit unseren Ansprüchen. Wir wollen wieder ganz nach oben, dahin, wo der FFC bereits war“, sagt sie selbstbewusst. Wie auf dem Platz übernimmt sie auch in einer Seilschaft am Berg Verantwortung.

Beim Gipfelsturm helfen sollen mit Verena Aschauer (25 Jahre), Barbara Dunst (22) und Yvonne Weilharter (18) drei weitere Österreicherinnen, sowie mit Sandrine Mauron (22) und Géraldine Reuteler (20) zwei Schweizerinnen. Während Verena (68 Länderspiele, EM-Halbfinalistin 2017) auch zu den erfahreneren Spielerinnen zählt, gehören die vier anderen der Abteilung „junge Wilde“ an.

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„Die Frankfurter Alpen-Fraktion trifft sich zum Klettern (V.L): Yvonne Weilharter, Géraldine Reuteler, Verena Aschauer, Laura Freisinger, Barbara Dunst“

So ist Yvonne Weilharter eines der größten Defensiv-Talente Österreichs. Sie gab bereits mit 15 Jahren ihr Erstliga-Debüt, mit 17 das in der Nationalmannschaft. „Ich bin zum FFC Frankfurt gewechselt, weil ich hier den nächsten Karriereschritt machen möchte. Gerade als junge Spielerin bin ich hier gut aufgehoben und kann von den Älteren viel lernen“, sagt Yvonne. Einen ähnlichen Blitzstart legte Stürmerin Géraldine Reuteler in der Schweiz hin: Erster Einsatz in der 1. Liga mit 15, erstes Länderspiel und gleich zwei Tore im zweiten, und das mit 17 Jahren. Géraldine, die 2018 aus Luzern an den Main wechselte: „Wir wollen am Ende der Saison einen Platz in der oberen Tabellenhälfte belegen. Dafür müssen wir uns als Team und jeder individuell für sich noch steigern.“

Die Mittelfeldakteurinnen Barbara Dunst und Sandrine Mauron (beide 22 Jahre jung) wurden wie Yvonne Weilharter erst zu Beginn der laufenden Saison verpflichtet. Während Barbara mit dem FSK St. Pölten über Stationen in Leverkusen und Duisburg zum FFC wechselte, konnte sich Sandrine mit dem FC Zürich bereits über vier Double-Siege seit 2015 freuen. Barbara gibt sich bodenständig und möchte „…zunächst mit dem jungen Team das Entwicklungspotenzial abrufen und mit dem Nationalteam die EM-Endrunde 2021 in England erreichen.“ Sandrine kennt als echtes Kind der Berge keine Höhenangst: „Ich gehe in der Schweiz sehr gern wandern und genieße die Aussicht von oben. Das Leben hier in Frankfurt ist definitiv anders, moderner als in meiner Heimat. Mit dem 1. FFC wieder nach oben und im Pokal möglichst weit zu kommen, das ist mein Ziel. In Deutschland muss ich in jedem Spiel Höchstleistung abliefern, es ist eine Herausforderung, die ich annehme.“

Frankfurts Manager Siegfried Dietrich: „Wir sind stolz auf unsere Alpen-Fraktion, die wie der gesamte Kader aus einer guten Mischung erfahrener Spielerinnen und jungen Toptalenten besteht. Wir planen keine unrealistischen Höhenflüge, wollen aber unsere Mannschaft mit jungen Talenten weiterentwickeln, die einmal den Frauenfußball in Europa prägen können. Es ist für uns ganz klar eine Investition in die Zukunft auch im Hinblick auf die Zukunft des Frauenfußballs in Europa.“

Womit wir wieder beim Vers von Victor Blüthgen wären: Wenn die Frauen beim Rekordmeister weiter fleißig klettern und ab 2020 fliegen wie die Adler, liegt ihnen ja vielleicht auch irgendwann wieder die Fußball-Welt zu Füßen. So, wie zuletzt 2015, als das Team mit der UEFA Women’s Champions League den bisher letzten von insgesamt 20 Titeln gewann.