Der ELFEN-Preview aufs DFB-Pokalfinale

Nicht ist unmöglich

„Das ist dann ein Finale. Da hauen wir jeden weg, egal wer kommt.“ Es war ein spontanes Statement in der Euphorie des Halbfinal-Sieges gegen Freiburg, doch Merle Frohms, Keeperin von Eintracht Frankfurt, hat die Ausgangssituation vor dem Endspiel im DFB-Pokal zwischen ihrer SGE und dem VfL Wolfsburg am Sonntag, den 30. Mai um 16 Uhr (ab 15.30 Uhr mit Vorberichten live in der ARD) treffend zusammengefasst. Natürlich gehen die Wölfinnen als Favorit in die Begegnung, aber eine Überraschung scheint denkbar. Wir haben sämtliche Mannschaftsteile einer „Gegenüberstellung“ unterzogen.

Tor:

Das markige Statement von Merle Frohms haben wir bereits erwähnt. Doch die deutsche Nummer Eins kann mehr als starke Sprüche. Sie hat sich in ihrer Debütsaison am Main sofort zum souveränen Rückhalt ihres jungen Teams entwickelt. Nicht umsonst ziert sie das Cover des brandneuen ELFEN Magazins.

Die Situation im Tor der Wölfinnen hat sich zuletzt verändert. Die ohnehin nicht unumstrittene Polin Katarzyna Kiedrzynek ist verletzt. Für sie rückte Keeperinnen-Legende Almuth Schult wieder in den Kasten. Nach langer Pause sieht sich Schult zwar noch nicht wieder bei 100 Prozent ihrer früheren Leistungsfähigkeit, ein Unsicherheitsfaktor war sie in den bisherigen Partien aber auch mitnichten.

ELFEN-Urteil: Unentschieden

Abwehr:

Auf Wolfsburger Seite stehen mit Felicitas Rauch, Dominique Janssen, Sara Doorsoun, Lena Goeßling oder Anna Blässe, Traumtor-Schützin des letztjährigen Finales, im Defensivbereich routinierte Kräfte zur Verfügung. Allerdings wackelte gerade die VfL-Innenverteidigung sowohl in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga als auch in der UEFA Women’s Champions League teilweise beträchtlich. Schwer wiegt zudem der verletzungsbedingte Ausfall von Rechtsverteidigerin Kathy Hendrich.

Bei der SGE forscht im Defensivbereich die Jugend: Nationalspielerin Sophia Kleinherne (21) in der Zentrale und Saisonentdeckung Camilla Küver (17) auf der linken Seite gehören zu den Stammkräften und präsentieren sich phasenweise bereits erstaunlich abgezockt, aber nicht frei von Aussetzern. Als Rechtsverteidigerin wussten weder Leticia Santos noch Janina Hechler uneingeschränkt zu überzeugen. Bei langen Bällen zeigte sich die Kette im Saisonverlauf verwundbar.

ELFEN-Urteil: Vorteil Wolfsburg

Mittelfeld:

Oberdorf, Engen, Rolfö, Huth – ein besseres Mittelfeld sucht man in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga trotz des Ausfalls von Alexandra Popp wohl vergeblich. Körperliche Präsenz vor der Abwehr, Dribbelstärke auf den Außen, Dynamik bei den Vorstößen, alles vorhanden. Etwas mehr Kreativität im Zehnerinnen-Bereich dürfte es gerne noch sein, aber das wäre Jammern auf hohem Niveau.

Die Frankfurterinnen müssen sich auch in diesem Mannschafsteil keineswegs verstecken. Kapitänin Tanja Pawollek und DFB-Shooting Star Sjoeke Nüsken haben die Zentrale im Griff, auf den Flügeln wirbelt die „Austria-Zange“ mit Barbara Dunst (7 Dribblings/Spiel, Liga-Topwert) und Laura Feiersinger.

ELFEN-Urteil: Vorteil Wolfsburg

Sturm:

Der Ausfall der laufstarken Geraldine Reuteler (Kreuzbandriss) schmerzt Eintracht-Trainer Niko Arnautis zwar, doch kann er mit Toptorschützin Laura Freigang und der zuletzt immer besser in Fahrt gekommenen Slowenin Lara Prašnikar trotzdem ein brandgefährliches Sturmduo aufbieten, dass den Wölfinnen im Liga-Duell am vergangenen Wochenende ordentlich Kopfzerbrechen bereitete.

Auf VfL-Seite präsentiert sich Ewa Pajor nach längerem Ausfall bereits wieder in bester Torlaune. Ihre Geschwindigkeit stellt jede Abwehr vor Probleme, so auch die Adlerträgerinnen in der Vorwoche. An ihrer Seite hat Neuzugang Rebecka Blomqvist schon vielversprechende Ansätze gezeigt, sich aber noch nicht final etabliert.

ELFEN-Urteil: Unentschieden

Taktik und Mentalität:

Der Titelverteidiger hat im Halbfinale gegen den FC Bayern München gezeigt, dass er spielfreudigen Mannschaften mit aggressivem Angriffspressing ordentlich die Lust am Fußball verderben kann. Auch Frankfurt möchte gepflegt aus der eigenen Abwehr heraus kombinieren und könnte dabei gehörig unter Druck geraten. Zudem wird der VfL versuchen, Ewa Pajor hinter der SGE-Kette in Position zu bringen.

Die Adlerträgerinnen wären trotzdem gut beraten, ihr Heil in der Offensive zu suchen und den Erfahrungsvorsprung der Wölfinnen mit Unbekümmertheit zu kontern. Sie haben schließlich nichts zu verlieren – eine Ausgangsposition, die der Eintracht heuer mehr zu liegen scheint als die Favoritenrolle. „Wer Hunger hat, rennt schneller ans Büffet“, hofft auch SGE-Trainer Niko Arnautis auf einen größeren Titelappetit in seinen Reihen als bei den erfolgsverwöhnten Niedersächsinnen.

ELFEN-Urteil: Unentschieden

ELFEN-Tipp:

In einem spannenden und torreichen Finale behält der Titelverteidiger wie in der Liga mit 3:2 knapp die Oberhand.