ELFEN Wochenrückblick

Sternstunde der Popp-Kultur

Wolfsburg und Frankfurt erreichen das Pokalfinale

Am 30. Mai findet in Köln das Finale im DFB-Pokal der Frauen statt. Seit dem vergangenen Wochenende steht nun auch fest, welche beiden Mannschaften sich in der Domstadt duellieren werden. In zwei packenden Halbfinals setzten sich der Titelverteidiger aus Wolfsburg und die Frankfurter Eintracht durch.  

VfL Wolfsburg – FC Bayern München 2:0

„Spieltach is Feiertach“ – wer Alexandra Popp in den sozialen Netzwerken folgt, kennt dieses Mantra. Beim überzeugenden 2:0-Halbfinalerfolg der Wolfsburger Wölfinnen gegen den FC Bayern München erwies es sich als zutreffender denn je: Zum einen fand die Partie am Ostersonntag statt, zum anderen sorgte die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft mit einer Galavorstellung federführend für Feierstimmung in den eigenen Reihen. Kurz vor Spielende musste sie nach einem rücksichtslosen Einsteigen der Bayern-Verteidigerin Amanda Ilestedt zwar verletzt vom Feld, doch selbst dieser schmerzhafte Schlussakt passte perfekt ins Bild: Mit fairen Mitteln war der VfL-Rudelführerin an diesem Nachmittag einfach nicht beizukommen.

Insgesamt stellten sich die Platzherrinnen der vielzitierten Wachablösung im deutschen Frauenfußball von der ersten Minute an mit aller Vehemenz entgegen. Fünf Punkte Rückstand auf die Bayern in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga, dazu die Champions League-Klatsche gegen Chelsea unter der Woche – das Imperium war sauer und diese Botschaft wurde mit Galligkeit und Intensität auf den Rasen plakatiert. Die von VfL-Trainer Stefan Lerch geforderte „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ war offenbar verinnerlicht worden. Nach gut zehn Minuten traf Rebecka Blomqvist die Latte, zwei Minuten später knallte Alex Popp eine Hereingabe der starken Svenja Huth zum Führungstreffer in die Maschen. In der Folge zog sich der VfL keineswegs zurück, sondern generierte mit konsequentem Angriffspressing zahlreiche bayerische Ballverluste. Kurz vor der Pause erhöhte Ewa Pajor nach erneuter Huth-Vorarbeit auf 2:0.

Die zuletzt so erfolgsverwöhnten Bayern-Frauen zeigten sich vom Wolfsburger Ansatz nachhaltig beeindruckt. Münchens Beste, die Niederländerin Lineth Beerensteyn, blieb mit ihren Dribblings auf den Flügeln eine Einzelkämpferin. Spielführerin Lina Magull verzeichnete zwar viele Ballkontakte, brachte aber wenig Handfestes zustande. Klara Bühl und Linda Dallmann waren weitgehend unsichtbar und Mittelstürmerin Lea Schüller fehlte es an verwertbarem Flankenmaterial. Selbst Abwehrchefin Marina Hegering, sonst die Souveränität in Person, leistete sich einige Wackler. „Wir haben uns von der Robustheit der Wolfsburgerinnen etwas einschüchtern lassen“, fasste FCB-Coach Jens Scheuer das Geschehen treffend zusammen.

Auch im ereignisärmeren zweiten Durchgang blieb der Titelverteidiger kompakt und gewährte den Gästen bestenfalls Halbchancen. Die gegen Chelsea noch gebeutelte Viererkette präsentierte sich diesmal konzentriert und sattelfest. Sieben Minuten vor dem Abpfiff hätte die eingewechselte Simone Laudehr noch einmal für Spannung sorgen können, zögerte jedoch in aussichtsreicher Position etwas zu lange. Der Platzverweis gegen Münchens Simone Boye, die einen Wolfsburger Konter über Shanice van de Sanden per Notbremse stoppte, brachte die endgültige Entscheidung.

Round-Up Halbfinale Pokal 2021 Credits: imago images/Hartenfelser
Prasnikar trifft zum Ausgleich für die Eintracht

Eintracht Frankfurt – SC Freiburg 2:1

Es gehört schon einiges Wohlwollen dazu, den bisherigen Verlauf der „Premierensaison“ der Eintracht-Frauen als mittelprächtig zu bezeichnen. Tabellenplatz sieben in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga, mit mageren 21 Pünktchen aus 16 Partien – da hätte es gerne etwas mehr sein dürfen, auch wenn man am Main stets bemüht ist, die ergebnisunabhängige Entwicklung einer jungen Mannschaft zu betonen.

Umso gelegener kam da die Chance, der Runde mit einer Finalteilnahme im Pokal doch noch ein bisschen Glanz zu verleihen. Zumal sich mit dem SC Freiburg ein Gegner aus der Kategorie „gefährlich, aber schlagbar“ in Hessen vorstellte. Doch die Anfangsphase verlief für die Adlerträgerinnen wenig wunschgemäß: Während die Eintracht zwar dominierte, im letzten Drittel aber etwas umständlich zu Werke ging, erwiesen sich die Gäste als Meisterinnen der effektiven Geradlinigkeit. Ein langer Ball von Rebecca Knaak, der Packing-Freunde begeisterte und die SGE-Abwehr komplett aushebelte, diente SC-Stürmerin Marie Müller als Vorlage für einen eiskalten Abschluss zum 0:1. Die Eintracht blieb zwar optisch überlegen und erarbeitete sich diverse Möglichkeiten, doch wenn Ereleta Memeti bei einem erneuten Freiburger Konter ins Tor statt an den Pfosten gelupft hätte, wären die Gäste womöglich frühzeitig auf die Siegerstraße eingebogen.

Nach dem Seitenwechsel gelang es den Hessinnen jedoch, ihre Feldvorteile endlich in Zählbares umzumünzen. Zunächst scheiterte Lara Prasnikar am Gebälk. Im Anschluss an einen Dunst-Eckball war die engagierte Slowenin dann aber hellwach und spitzelte das Leder zum Ausgleich über die Linie. Der SC Freiburg geriet nun mehr und mehr unter Druck und schaffte es nur noch selten, eigene Nadelstiche zu setzen. Folgerichtig gelang es der Eintracht, die Begegnung endgültig zu drehen. Die erst 17-jährige Camilla Küver traf mit einem sehenswerten Schlenzer von der Strafraumgrenze, nachdem SC-Keeperin Lena Nuding den ersten Versuch von Feiersinger noch stark parieren konnte.

Finale, oho!

Am 30. Mai treffen die beiden Siegerteams vom Osterwochenende dann in Köln zum großen Endspiel aufeinander. Merle Frohms, Torhüterin der Frankfurter Eintracht, hat im Interview nach Spielende den Ton schon einmal gesetzt: „Egal wer der Gegner wird – es ist ein Finale, da hauen wir dann jeden weg!“ Alex Popp und der VfL Wolfsburg dürften zugehört haben…