Weil ich ein Mädchen bin…

Mit 6 Jahren stand sie schon vor der Kino-Kamera, mit 9 Jahren hat sie ihr erstes Video für YouTube gedreht. Heute ist sie ein Medien-Vollprofi.

Faye Montana kennt das Netz, nutzt die Öffentlichkeit und hat viel Erfahrung. Zu der auch gehört, dass der Fußball immer noch „krass männlich“ sein will, weiß sie zu berichten.

Faye Montana

Text: Rolf Dittrich

Sie sind Stars und können Heerscharen an Fans ihr Eigen nennen. Ihre Spielfelder aber sind nicht grün, sondern befinden sich im Netz. Ihre Arenen heißen YouTube, Instagram, TikTok oder Spotify – Influencer in den sozialen Medien. Große Follower-Zahlen, enorme Reichweiten – mit Bildern, Videos und Texten gewähren die Internet-Stars Einblicke in ihre Leben, manchmal gar in ihre Gefühlswelten. Sie machen auch Meinung und viel Werbung. Für Produkte und natürlich für sich selbst.

Das gibt auch Faye Montana unumwunden zu. Die 18-jährige Künstlerin nutzt ihre Online-Popularität vor allem in eigener Sache. Neue Songs lassen sich so promoten, Auftritte ankündigen und – darauf legt sie großen Wert – einen direkten Draht zur Fangemeinde pflegen. „Früher konnte man eine Schauspielerin im Grunde nur in ihren Rollen wahrnehmen“, sagt sie. Allein ihre rund 430.000 Instagram-Follower aber können daran teilhaben, wenn die Sängerin privat Halloween feiert, in London ein NFL-Gastspiel besucht oder bei Promi-Events über den roten Teppich schreitet. „Ich erhalte unmittelbare Reaktionen, kann antworten, bin dadurch nahbar“, fasst Faye durchaus positive Aspekte der digitalen Welten zusammen und ergänzt auch gleich, dass ihre Präsenz in auf den sozialen Plattformen nur als Verlängerung ihres eigentlichen Schaffens als Musikerin und Darstellerin dient. „Es gibt aber eben auch Web-Stars, die definieren sich selbst und ihre Bekanntheit einzig aus dem virtuellem Dasein im Netz“, sagt sie skeptisch. Sie könne auch mal Tage und Wochen darauf verzichten, neue Posts zu verfassen und Content zu produzieren. Aber es gebe eben auch die Onliner, die nur davon leben, streng nach Plan ihre Kanäle zu befüllen, fast nach Akkord arbeiten, um ihre Fangemeinde mit Neuigkeiten zu befriedigen. Ihr Ding aber ist das nicht.

Dass die große Begeisterung der Generation Z – das sind je nach Definition die zwischen den Jahren 1997 und 2010 Geborenen – für den Social-Media-Kosmos auch die Werbetreibenden auf den Plan ruft, war die logische Entwicklung bei den enormen Reichweiten und der Datenflut über Zielgruppen, die heutzutage zur Verfügung stehen. Es ist eine ganze Branche entstanden, die Influencer an Marketing-Abteilungen von Firmen vermitteln und immer neue Konzepte zur Content-Produktion erstellen. Faye kennt dieses Umfeld und weiß zu berichten, dass es für YouTuberinnen oder TikTokerinnen ungleich schwerer sei als für die männlichen Kollegen auch wirklich anerkannt und ernst genommen zu werden. „Es ist ernüchternd, dass wir oft einfach als Mädchen abgetan und belächelt werden“, sagt die Tochter von Schauspielerin Anne-Sophie Briest, von der sie gewiss auch eine gehörige Portion Künstler-Blut abbekommen hat. „Wir müssen für unsere Erfolge einfach härter arbeiten“, ist Faye überzeugt.

Ihre Follower kennt sie ziemlich genau. Es sei ein Verhältnis von 60 zu 40 zugunsten der weiblichen Fans, die beispielsweise auf Instagram liken, kommentieren oder einfach nur stumm folgen. Von größeren Negativ-Erfahrungen mit ´Shitstorms´ und ´Hatern´ sei sie zum Glück bislang verschont geblieben, weiß dann aber doch von einem überraschenden, wenn auch bezeichnendem Erlebnis zu berichten. Im Sommer 2021 hatte sie DFB-Ausrüster adidas gemeinsam mit fünf weiteren Internet-Stars zu einem mehrtägigen EM-Camp nach Herzogenaurach eingeladen. Parallel zum Turnieraufenthalt der Nationalmannschaft verbrachte Faye gemeinsam mit den im Netz bestens bekannten und beliebten Simon Will, Maurii Pastore, Lisa Küppers, Xintin Wang sowie Dyma spannende und actionreiche Tage in der Welt des Sportartikel-Ausrüsters. Sportliche Challenges auf dem Trainingsplatz, Besuche und Eindrücke in die Produktion und natürlich auch der Besuch eines EM-Spiels in der Münchener Arena gehörten zum Programm. Die Influencer berichteten darüber natürlich ausführlich auf ihren Kanälen und ließ die Internet-Gemeinde an diesem sportlich-coolen Erlebnis via Fotoshootings und Video-Produktion teilhaben. Natürlich tauschte man sich in der Gruppe rege auch über ihre Online-Aktivitäten aus. „Die Jungs unter uns erhielten ausnahmslos positive Meldungen“, weiß die 18-Jährige zu berichten. Klar – Jungs und Fußball, das ist ok. Aber sie bekam auch Kommentare nach dem Motto: ´Du hast doch keine Ahnung vom Fußball´ oder ´Danke – einem richtigen Fan den Platz im Stadion weggenommen …´. Rückblickend findet sie das immer noch krass. „Weil ich ein Mädchen bin. Es wird einfach behauptet, dass ich nichts von diesem Sport verstehen kann, nicht mal Fan sein darf …“.

Dabei ist ihr Interesse größer als unterstellt. Schon allein durch private Freundschaften zu Fußball-Profis, die sie schon lange kennt. Selbst Fußball zu spielen habe sich aber nie ergaben. Dafür war sie einem anderen Sport höchst zugetan: Elf Jahre hat sie in Berlin beim Basketball Cheer-Dancing betrieben – auf höchsten Niveau. Unzählige nationale und internationale Titel konnte sie mit ihren Teamkolleginnen einheimsen. „Das war wirklicher Leistungssport“, berichtet Faye. „Es verlangte viel Training, Disziplin, Fleiß.“ Umso mehr bedauert sie, dass inzwischen die ´ALBA Dancers´ nicht mehr existieren. „Hier haben überwiegend Männer beschlossen, dass es sexistisch sei, aber nicht den eigentlich Sport und die Leistung dahinter gesehen. Es fehlte einfach an ausgewogener Betrachtung. Es fehlt zu oft einfach noch der weibliche Blick auf die Dinge!“

Übrigens: die ELFEN Redaktion muss sich bei Faye entschuldigen! In der Print-Ausgabe unseres Magazins haben wir fälschlicherweise behauptet, sie trage den Nachnamen Briest. Blödsinn. Denn das ist der Künstlername der Mama – Faye heißt per Pass wirklich Montana und das hat im übrigen mit der Serien-Figur Hannah Montana genauso wenig zu tun, wie Jürgen Klopp je mit dem FC Bayern … Sorry, Faye für diese Fake-News!