Das ELFEN-Spieltags-Interview mit Hasret Kayikci, Kapitänin SC Freiburg

„Ich darf leider nur auf die Tribüne“

Jede Woche vor einem Spieltag der FLYERALARM Frauen-Bundesliga spricht ELFEN-Redakteur Felix Maier mit einer Trainerin, einem Trainer, Spielerin oder anderen Personen aus dem Umfeld der Vereine über eine Partie am Wochenende. Egal, ob Titelrennen oder Abstiegskampf – wir fragen nach!

Heute im Gespräch: Hasret Kayikci // Kapitänin SC Freiburg

Hasret Kayikci

Hasret Kayikci / imago images/Sports Press Photo

Am Freitag steht das erste Liga-Spiel im Dreisamstadion an. Zwar leider noch ohne dich auf dem Rasen. Was bedeutet das für euch als Team, dauerhaft in diesem Stadion spielen zu dürfen?

Wir freuen uns extrem, viele im Klub haben ihren Teil dazu beigetragen und endlich hat es geklappt. Das Dreisamstadion ist einfach etwas Besonderes hier in Freiburg. Dass wir da jetzt spielen dürfen, erfüllt uns mit Stolz. Das ist auch die Wertschätzung, die wir verdienen. Leider noch ohne mich weil ich gesperrt bin. Insgesamt hat sich die Drei-Spiele-Sperre über fünf Wochen gezogen, das war richtig lange. Ich freue mich einfach, wenn die Sperre vorbei ist.

Im Pokal waren gegen Wolfsburg schon 3.100 Fans da und haben richtig Stimmung gemacht. Was macht das aus?

Ja, das Pokalspiel im Dreisamstadion war mit Abstand mein coolstes Spiel für Freiburg. Die Fans haben uns so extrem angefeuert, ich hatte das Gefühl, ich kann unendlich laufen. Wir haben so lange dafür gekämpft, dass wir diese Bühne kriegen. Dass wir dieses Spiel verloren haben, ist dann umso trauriger. Wir erhoffen uns durch den Umzug auch, dass wir langfristig von den Fans der Männer-Teams unterstützt werden. Da sind wir gerade im guten Austausch mit der Fanszene. Wir wollen alles zusammenführen. Ich bin mir auch sicher, dass wir das zumindest in den größeren Spielen immer wieder hinkriegen. Ins Dreisamstadion geht man einfach auch gerne. Im Möslestadion waren Trommeln verboten, da mussten die Fans leiser sein, weil da ein Wellness-Hotel direkt nebendran war. Die Ultras fanden das natürlich nicht so gut. Die kommen dafür umso lieber ins Dreisamstadion.

Auch von den Trainings-Möglichkeiten her verändert sich für euch einiges.

Alles ist an einem Standort. Das Trainings-Niveau wird sich stark verbessern, die Bedingungen sind jetzt viel besser. Wir haben direkt neben dem Stadion die Trainingsplätze. Da haben wir neue und professionelle Möglichkeiten. Das Problem war bisher, dass wir einen unebenen Rasen hatten und nur diesen einen Platz. Dafür konnte keiner etwas, davor war da eine Mülldeponie drunter und bei Regen, konnte das Wasser nicht ablaufen. Künftig hätten wir gerne einen Raum, in dem wir Verletzungs-Prävention machen können. Aktuell haben wir sowas in der Kabine auf dem Boden oder in den Duschen gemacht. Deshalb freuen wir uns extrem, dass das für uns durch die professionellen Bedingungen ein großer Schritt nach vorne ist.

Wird euch das Stadion mit den Fans im Rücken auf lange Sicht einen Schub verleihen?

Ja, sicherlich. Das macht immer einen großen Unterscheid. Wenn du nicht mehr kannst, merkst du, dass die Fans im Stadion dich umso mehr anfeuern. Mit so einer Kulisse kriegst du zusätzlich Anreize für neue Spielerinnen. Durch die professionellen Bedingungen wird es einfacher, Spielerinnen zu halten und neue Spielerinnen nach Freiburg zu locken.

Die Sperre von drei Spielen zwingt dich zum Aussetzen – wie hast du die Entscheidung des DFB aufgenommen und was hättest du dir in der Bewertung der Szene, die zur roten Karte gegen Bremen geführt hat, gewünscht?

Ich verstehe es bis heute, um ehrlich zu sein, nicht. Die Strafe finde ich heftig. Drei von elf Hinrunden-Spielen gesperrt – für die erste Rote Karte in meinem Leben. Das steht in keiner Relation zu dem Foulspiel. Prozentual verpasse ich 27 Prozent der Spiele. Ich glaube nicht, dass ein Spieler der Männer-Bundesliga, wenn man das überträgt, für dieses Vergehen fünf oder sechs Spiele gesperrt worden wäre. Das Schubsen sah vielleicht schlimmer aus als es war. Ich wollte, um ehrlich zu sein, in der Sekunde einfach nur, dass die Spielerin weggeht. Es war keine kluge Aktion von mir, die Maßnahme finde ich aber überzogen.

Dieses eine Spiel bin ich noch raus, danach freue ich mich, dem Team wieder helfen zu können. Ich bin mir aber sicher, dass wir das Spiel gewinnen. Zuletzt hat es dreimal mit Siegen, sogar ohne Gegentor, geklappt. Ich darf leider nur auf die Tribüne. Aber meistens kann ich so laut schreien, dass die Mitspielerinnen mich trotzdem noch hören.

Du hilfst mit deinen Toren dem Team sehr, bist auch als Kapitänin ein wichtiger Baustein im System von Trainer Daniel Kraus. Wie kann dein Fehlen am ehesten kompensiert werden?

Sicherlich ähnelt mir Riola Xhemaili sehr vom Typ und Spielstil. Für ihr Alter ist sie eine super Kreativspielerin. Sie wird das wieder sehr gut machen und wir werden das Spiel gewinnen.

Euer Gegner, der 1.FC Köln, hat mit einem Sieg zuletzt einen wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht. Wie schätzt du die Kölnerinnen in dieser Saison ein?

Ich habe ein paar Spiele von ihnen gesehen. Ich schätze sie als sehr gut ein, vor allem, weil sie viele sehr gute Einzelspielerinnen haben. Aber wir spielen das erste Liga-Spiel im Dreisamstadion. Wollen auf jeden Fall gewinnen. Das wird ein cooles Spiel. Es wird hin und her gehen – mit dem hoffentlich glücklicheren Ende für uns.

Dein Ergebnistipp?

Ich hoffe auf ein 2:0 für uns.

Die Partie in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga: 

VfL Wolfsburg – FC Carl Zeiss Jena

Freitag, 10.12.2021, 19:15 Uhr, Live bei MagentaSport

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